Anwälte und andere Erpresser

(07.09.2015) Vor 44 Jahren, ich studierte noch, taten sich Paul Kron, auch bekannt als “Diamanten-Paule” und der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinz-Joachim Ollenburg zusammen. Sie kidnappten den Aldi-Chef Theo Albrecht, versteckten ihn in der Besenkammer von Ollenburgs Anwaltskanzlei und erpressten ein Lösegeld von 7 Millionen Mark. Sie wurden zu je 8 1/2 Jahren Haft verurteilt. Von dem Lösegeld tauchte rund die Hälfte nicht wieder auf; ob Ollenburg sich davon ein sorgenfreies Leben machen konnte, darüber spekulierte nicht nur der SPIEGEL nach dessen Entlassung.

Weniger erfolgreich war kürzlich ein Anwalt in Frankfurt. Was war geschehen?

Die Pächterin einer Gaststätte mit Hotel war pleite und zahlte ihre Pacht nicht mehr. Der Eigentümer kündigte den Pachtvertrag und verkaufte das ganze Objekt. Statt der Hausschlüssel bekam er am Stichtag ein Anwaltsschreiben überreicht. Der Anwalt – wohl wissend, dass der Eigentümer dem Käufer das Objekt kurzfristig geräumt übergeben musste – forderte für die gekündigte Pächterin achttausend Euro. Sonst würde sie eben nicht gehen, außer nach einem gerichtlichen Räumungsverfahren. Welches er schon hinauszuzögern wissen würde. Der Eigentümer war in der Zwickmühle: wenn die gekündigte Pächterin nicht räumte, konnte er dem Käufer das Hotel nicht zum vereinbarten Termin übergeben und hätte ihm einen hohen Schadensersatz zahlen müssen. Bei der alten Pächterin Regress zu nehmen war aussichtslos, da war nichts zu holen. Zähneknirschend zahlte er ihr das geforderte Geld. Und verklagte anschließend nicht sie, sondern ihren Anwalt. Denn das ganze Manöver, argumentierte er, sei nichts als eine Erpressung gewesen, und dazu hätte der Anwalt Beihilfe geleistet. Land- und Oberlandesgericht Frankfurt gaben dem Verpächter recht: der Anwalt musste die achttausend Euro berappen (OLG Frankfurt, Urteil vom 10.06.2015 – 2 U 201/14). Immerhin, ins Gefängnis musste er wohl nicht…

Ob er nun wenigstens die achttausend Euro als Betriebskosten absetzen kann? Theo Albrecht konnte es mit seinen Millionen übrigens nicht, fand das Finanzgericht Düsseldorf.

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